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Nachrichten > Kultur und Bildung

Teile der Burgruine Freienstein fĂŒr die Öffentlichkeit zugĂ€nglich gemacht


(Foto: Thomas Wilken)

(tom) „Der Moment hat es in sich“, sagte JĂŒrgen Kammer am 19. November ein wenig ergriffen. Der Vorsitzende des Fördervereins spielte auf die Wiedereröffnung der Burgruine Freienstein fĂŒr die Öffentlichkeit an. Die Genannte war trotz grauem, nieseligem Novemberwetter in grĂ¶ĂŸerer Zahl zum Aussichtsplateau oberhalb des Ortes gekommen. Mit der Anlage „hat Gammelsbach einen unheimlichen historischen Schatz“, betonte er.

Der schlummerte jahrelang im Dornröschenschlaf vor sich hin. Seit einigen Jahren laufen die Anstrengungen, den Schatz zu heben. „Heute wird Dornröschen wachgekĂŒsst“, ging Kammer auf den ersten Schritt der Wiedereröffnung und Sanierung ein, dem noch einige andere in den kommenden Jahren folgen werden. Er dankte fĂŒr die vielfĂ€ltige UnterstĂŒtzung von allen Seiten.

Oberstes Ziel des Vereins ist es, dass die malerische Ruine, die bis jetzt aus SicherheitsgrĂŒnden geschlossen war, wieder der Öffentlichkeit zugĂ€nglich gemacht wird, definiert der Vorsitzende die Motivation zur GrĂŒndung des Fördervereins im FrĂŒhjahr 2021. Kammer sieht nun erste wichtige Schritte erreicht.

Dazu zĂ€hlt er den Gestattungsvertrag zwischen dem Erbbauberechtigten Andreas Tilly und der Stadt Oberzent, den der Vorstand des Fördervereins mit fachlicher Hilfe erarbeitet hatte. Die Freiwillige Feuerwehr Gammelsbach fĂŒhrte im FrĂŒhjahr unter der Leitung von Ortsvorsteher Konrad Helm den Freischnitt von Bewuchs, der bisher den Zugang fast unmöglich machte, durch.

Symbolisch schnitten jetzt Kammer, BĂŒrgermeister Christian Kehrer und Andreas Tilly das Flatterband durch. Danach machte sich die Menge, allen voran die neugierigen Kinder, auf den Weg hoch in die jetzt zugĂ€nglichen Teile der Burgruine. Die notwendigen Sicherungsmaßnahmen starteten bereits vor ein paar Jahren, erlĂ€uterte der BĂŒrgermeister. Damit wollte man verhindern, dass Steine in den Ort hinab rollen.

Vor zwei Monaten ging der stĂ€dtische Bauhof daran, Doppelstabmatten-ZĂ€une zu setzen und die Sitzbank wiederaufzubauen. Von ihr aus gibt es einen herrlichen Blick ĂŒber das Gammelsbachtal. Auch das erste Liebesschloss hĂ€ngt schon dran. Absperrungen wurden in den gefĂ€hrdeten Bereichen angebracht.

Als NĂ€chstes wird vom Bauhof eine Holzplattform in den unteren Turm eingebaut, damit die Fensternischen erreicht und gerĂ€umt werden können. Dies bildet die Voraussetzung fĂŒr die Turm-Freilegung und den Zugang fĂŒr die ArchĂ€ologen. Dieser Maßnahme stimmte der Magistrat zu, ergĂ€nzte Kehrer.

Der Odenwald vom Main bis zum Neckar ist fĂŒr Tilly eine „Kulturlandschaft ersten Ranges“. Kammer wies in diesem Zusammenhang auf die Ruine Wildenburg bei Kirchzell als Heimat des Parzifal Wolfram von Eschenbachs hin, gleichzeitig wird in der Neckarsteinacher Vorderburg Bligger von Steinach als Verfasser des Nibelungenlieds verortet. Freienstein liegt genau in ihrem Schnittpunkt.

250.000 Euro stehen als Kosten fĂŒr die weiteren Sanierungsschritte im Raum. Die Summe soll gestemmt werden, indem der Verein laut Kammer versucht, „die Deutsche Stiftung Denkmalschutz fĂŒr unser Projekt zu begeistern“. Damit könnte dann der Eigenmittel-Grundstock fĂŒr weitere Förderungen durch die öffentliche Hand (Landesdenkmalamt, Odenwaldkreis, Stadt) gelegt werden.

Der Fokus richtet sich jetzt auf die sĂŒdliche GebĂ€udefront, die mit diesen Geldmitteln erschlossen und begehbar gemacht werden soll. Danach wĂ€re der Palas, das frĂŒhere Wohnzimmer der Burgherren, dran. „Es war eine machtvolle Anlage“, sagt Kammer bewundernd. Die ErsterwĂ€hnung des Schlosses geschah 1297. Die nach ihm benannten Herren von Freienstein waren Burgmannen der Erbauer.

Ihnen diente der stark gesicherte Wehrbau mit seiner Mannschaft zur Überwachung und notfalls zur Abriegelung der den Gammelsbach begleitenden Straße aus dem Neckartal bei Eberbach in den inneren Odenwald um Michelstadt. Die Burg war im Mittelalter zugleich ein Verwaltungssitz fĂŒr 15 Dörfer, einschließlich Beerfelden.

Bezirkskonservatorin Kristin Schubert ging auf die langjĂ€hrigen Überlegungen zusammen mit der TU Darmstadt ein, wie in der lĂ€ngerfristigen Perspektive eine Nutzung der Burgruine aussehen könnte. „Wir werden recherchieren, was andere Burgenvereine so machen“, kĂŒndigte Kammer an. Seine Idee: die Verzahnung von Denkmal- und Naturschutz in der Region. „Das wĂ€re ein Tourismusmagnet.“

Die BeitrittserklÀrung zum Förderverein Burg Freienstein ist bei Schatzmeister Dieter Schwöbel-Rein, Tel. (06068) 4562, erhÀltlich.

21.11.22

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