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Nachrichten > Politik und Gesellschaft

Geballtes Wissen im etwas antiquierten Museum - Mehr Geld fĂŒr Modernisierung nötig


(Foto: privat)

(bro) (chk) Die CDU Eberbach-Schönbrunn setzt ihre Serie "Vorstandssitzung mal anders" erfolgreich fort und war kĂŒrzlich zu Gast im Stadtmuseum Eberbach im alten Rathaus in Eberbach. Der stellvertretende Vorsitzende, Prof. Dr. Gerhard Rohr, begrĂŒĂŸte die Anwesenden und machte im Rahmen seiner FĂŒhrung durch die Ausstellung auf Aspekte der Museumsarbeit und auf akute Planungsprobleme aufmerksam.

Das Eberbacher Museum am Alten Markt wurde 1983 neu gegrĂŒndet und zeigt unter anderem den Neckar als Lebens- und Verkehrsader mit Modellen und Geschichte zur Neckar-Schifffahrt, Geologie, Mensch im Steinbruch, Lebensraum Wald, alte Karten, Grenzen und Grenzsteinmodelle, alte Berufe, regionale Vor- und FrĂŒhgeschichte, Eberbacher Burgen, Stadtgeschichte, Handel und Gewerbe, bĂŒrgerliches Wohnen sowie viele Bilder regionaler und Eberbacher Maler und Malerinnen. Auch „Braunsche (Stand-) Uhren“ des bekannten Eberbacher Uhrmachers Franz Jakob Braun sind zu besichtigen.

Bereits die Enge des Eingangsbereichs zeige, dass das Museum von den RĂ€umlichkeiten her an seine Grenzen stoße. „Wir brauchen mehr Platz“, so das Fazit von Prof. Rohr. GesprĂ€che mit der Stadt fĂ€nden bereits statt. Konkret werde Raum fĂŒr Modellschiffe des Schiffervereins gesucht, die dieser zur VerfĂŒgung stellen wolle. Dabei kĂ€me auch ein Kunstschaufenster z. B. in der Kellereistraße infrage, das interaktiv gestaltet werden solle, z. B. mit Videobildschirm, welches per Handy durch das Schaufenster zu bedienen sei. Konkretes gebe es noch nicht.

Das Heimatmuseum ist bewusst auf das reduziert, was regional passiert ist und passiert. Die Zusammenarbeit mit der Museumsbetreuungsstelle der Landesregierung, die ihre Hilfe an PreistrĂ€ger (so auch Museum Eberbach) kostenlos zur VerfĂŒgung stellt, ermöglicht dem ehrenamtlichen Vorstand (Dr. Sigrun Paas, Prof. Gerhard Rohr, Ute Moll und Dr. Golgath) die behutsame Erneuerung des Museums und der Museumsarbeit, wie sie sonst nicht mit dem geringen Etat der Stadt möglich wĂ€re. Weitere finanzielle UnterstĂŒtzung erhĂ€lt das Museum durch die Bundesbeauftragte fĂŒr Kultur und Medien sowie durch „Neustart Kultur“. So wurde in den letzten Jahren ein QR-Code eingefĂŒhrt, der Besuchern ermöglicht, per Handy Informationen zu jedem Exponat abzurufen. Die Homepage wurde diesbezĂŒglich ĂŒberarbeitet. Das Magazin wird neu sortiert und mit „Stuttgarter Hilfe“ auch neu katalogisiert. Ein Medienraum, der alte und neue Videos ĂŒber die Region Eberbach prĂ€sentiert, ist in Planung.

GrĂŒnder des Museums war in den 20er Jahren der EhrenbĂŒrger der Stadt, Dr. John Gustav Weiss. Er war selbst ambitionierter Historiker und hatte großes Interesse an ArchĂ€ologie. Auf ihn geht die Ausgrabung, der Erhalt der Reste und die teilweise Wiedererrichtung der GemĂ€uer der Eberbacher Burgen zurĂŒck, wie sie sich im Wesentlichen noch heute bestehen. Dr. Weiss hat auch das Eberbacher Geschichtsblatt gegrĂŒndet. Dort wird auch in den JahrgĂ€ngen vor dem 2. Weltkrieg ĂŒber etliche Funde berichtet, die in den Jahrzehnten verschwunden sind und vielleicht durch eifriges Nachforschen wieder auftauchen, so z. B. römische MĂŒnzen, die in der 20er Jahren in der Hauptstraße und im Breitenstein entdeckt wurden. Auch soll sich im Waldgebiet „Alte Dielbacher BurghĂ€lde“ ein StĂŒck gepflasterter Weg befinden, der der Versorgung des Odenwaldlimes vom Neckar aus der Region Eberbach gedient haben könnte.

Funde aus der Burg werden in Vitrinen im ersten Stockwerk zusammen mit regionalen frĂŒhgeschichtlichen Exponaten prĂ€sentiert. Zudem lagert noch einiges Zeigenswerte im Magazin. Ein neues Burgenmodell, das neuere wissenschaftliche Erkenntnisse berĂŒcksichtigt, hat die Stadt Eberbach vor einigen Jahren beim Burgenverein e. V. in Auftrag gegeben. Dieses ist nun weitgehend fertiggestellt und soll zusammen mit dem 65 Jahre alten Modell gezeigt werden. Einzig der Platz dafĂŒr wird noch diskutiert.

Die vorhandenen Dioramen mit szenischen Darstellungen der Pflanzen und Tiere der Region sind in die Jahre gekommen und werden vom TierprĂ€parator Richter, der bereits die Dioramen fĂŒr die Eröffnung konzipierte, neu gestaltet. Auch Wildkatzen sind in Eberbach wieder heimisch und genetisch bspw. auf dem Hebert nachgewiesen. Die erste, ein Verkehrsopfer, wird mit dem letzten, 1866 im Odenwald geschossenen Wolf und zusammen mit anderen großen und kleinen Tieren des Eberbacher Waldes neu ausgestellt.

Eine Vitrine mit AusstellungsstĂŒcken heimischer Betriebe, die als „hidden Champions“ Eberbach in aller Welt reprĂ€sentieren und bekannt machen, wird neu konzipiert.

Prof. Rohr erwĂ€hnte noch einige Sonderbarkeiten aus der Eberbacher Stadtgeschichte, so die vom KurfĂŒrsten Karl Theodor geplante Seidenraupenzucht in der Kurpfalz. Klimatische Bedingungen machten der geplanten Seidenraupenindustrie jedoch einen Strich durch die Rechnung. Die MaulbeerbĂ€ume wuchsen zwar, und der KurfĂŒrst verdiente gut, indem er die Gemeinden zwang, ihm die Ableger, die er kultivierte, abzukaufen und anzupflanzen. Jedoch gediehen die Seidenraupen nicht, und so muss Eberbach heute noch ohne Seidenindustrie auskommen. Die letzten MaulbeerbĂ€ume standen noch bis nach dem 2. Weltkrieg im Bereich der IttermĂŒndung. Über Jahrhunderte waren Eberbacher Fischer ĂŒbrigens Hoflieferanten des Heidelberger kurfĂŒrstlichen Hofs und mussten Teile ihres Fangs dort abliefern.

In Zukunft soll der Schwerpunkt noch mehr auf Interaktion, direkte Ansprache und Kooperation mit jĂŒngerem Publikum, Eberbachern und BĂŒrgern aus der Region, Touristen und Schulen gelegt werden. So zeigte in der letzten Sonderausstellung der Eberbacher Spinnzirkel sein Können und Wirken in 40 Jahren Vereinsgeschichte.

Passend zum 1. Advent wird eine Adventskalender-Ausstellung eröffnet - "200 Adventskalender - lieblich, lustig, ironisch, kitschig - ein Riesenspaß fĂŒr alle", vom 26. November bis 8. Januar. 2023.

Am Ende der FĂŒhrung dankte Stadtverbandsvorsitzender Georg Hellmuth Dr. Rohr fĂŒr „geballtes Wissen“ und betonte „5.000 Euro Budget ist nicht viel, um mehr auf Visualisierung und Erleben zu setzen.“ Das Stadtmuseum ist heimelig und liebevoll, aber auch etwas antiquiert. Mit nur 5.000 Euro jĂ€hrlich sei eine Modernisierung schwierig.

Infos im Internet:
www.museum-eberbach.de
www.cdu-eberbach.de

22.11.22

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