Mittwoch, 03. Juni 2020

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In Waldbrunn regt sich Widerstand gegen die künftige Villa Katzenbuckel


Die "Turmschenke" soll nach der Renovierung Ende April als "Villa Katzenbuckel" wieder eröffnet werden. (Foto: Hubert Richter)

(hr) Das traditionsreiche Gasthaus “Turmschenke” am Katzenbuckel in Waldbrunn hat neue Eigentümer und wird zur Zeit gründlich saniert. Ende April soll der Betrieb unter dem Namen “Villa Katzenbuckel” als Restaurant und Hotel wieder eröffnet werden. Das Projekt hat in Waldbrunn nicht nur Befürworter, sondern auch erbitterte Gegner.

Für Unmut und Misstrauen in Teilen der Bevölkerung sorgt vor allem der Umstand, dass die neuen Eigentümer Sandra und Norbert Haas unter anderem in einer Erotik-Community im Internet für Veranstaltungen und Parties in der Villa Katzenbuckel werben. Mindestens zwei dieser bislang angekündigten Parties stehen auch eindeutig unter erotischen Mottos. Es handele sich um “Lifestyle Events" in Form geschlossener Gesellschaften mit Vorauskasse, ohne Abendkasse, erklärt Sandra Haas. Nach ihren Angaben machen solche Parties lediglich 2,5 Prozent der Öffnungszeiten aus. Darüber hinaus sei keine Ausweitung derartiger Veranstaltungen geplant. Die “Villa Katzenbuckel” solle nach den Plänen des Betreiberpaars vor allem ein Lokal mit gemütlichem Biergarten für Gäste aus der Region und für Touristen werden. Die Öffnungszeiten stehen laut Sandra Haas zwar noch nicht fest, aber man wolle neben dem Tagesbetrieb auch an einigen Abenden in der Woche länger öffnen, auch um Stammtischrunden oder Vereinstreffen zu ermöglichen. Buchungen für Familienfeiern und andere Gesellschaften würden bereits angenommen. Ruhetage sollen Montag und Dienstag sein.

Am 9. Januar hat sich in der Gaststätte “Zum Kurgarten” die “Bürgerinitiative Naherholungsgebiet Katzenbuckel” gegründet, die als Ziel zunächst angab, Landschaft und Natur am Katzenbuckel für die Bürger Waldbrunns und seiner Umgebung schützen und erhalten zu wollen sowie das Konzept eines sanften und nachhaltigen Tourismus zu unterstützen. Darüber hinaus wolle man “den guten Ruf der Gemeinde Waldbrunn” wahren. In einem Leserbrief vom 23. Januar wurde die Initiative deutlicher und erklärte das Konzept der “Villa Katzenbuckel” für fragwürdig. Die Initiatoren äußern die Sorge, dass Waldbrunn von Mitgliedern besagter Erotik-Community geradezu überschwemmt werden könnte, denn ganze 400 von ihnen hätten sich allein zu der Eröffnungsparty am 30. April angemeldet. “Lärm im Landschaftsschutzgebiet”, Parkchaos durch “Event-Tourismus” und die Befürchtung, Waldbrunn könnte als “Sex-Dorf im Hohen Odenwald” bekannt werden, sind weitere Bedenken, die die Bürgerinitiative ins Feld führt.
Der Vermutung der Initiative, dass es sich bei der künftigen “Villa Katzenbuckel” eher um eine im Landschaftsschutzgebiet verbotene Vergnügungsstätte als um ein Gasthaus handeln könnte, tritt Sandra Haas entgegen: Ihr Mann und sie hätten von Anfang an eng mit dem Landratsamt zusammengearbeitet und sähen genehmigungsrechtlich keinerlei Hürden. Es handele sich lediglich um die Sanierung eines bestehenden Gasthauses, bei der nichts verändert werde, was eine Baugenehmigung oder Nutzungsänderung erforderlich mache. In jedem privat geführten Gasthaus könnten geschlossene Gesellschaften nach Belieben feiern, weshalb Sandra Haas die Aufregung darüber in Waldbrunn nicht nachvollziehen könne. Auch die Anzahl der Pkw-Stellplätze sei mit dem Landratsamt abgestimmt und absolut ausreichend. Dass die “Villa Katzenbuckel” mit öffentlichen Geldern aus dem LEADER-Programm gefördert wird, kritisiert die Bürgerinitiative auch. Sandra Haas weist aber darauf hin, dass man den Kriterienkatalog für die LEADER-Förderung erfüllt und die erotischen Parties auch von Anfang an im Konzept erwähnt habe. Im Übrigen glaubt die neue Betreiberin, dass die “Villa Katzenbuckel” auch gut für andere gastronomische Betriebe der Region sein werde: Im Haus stehen sieben Hotelzimmer zur Verfügung, die bei gut besuchten “Lifestyle Events” wohl bei Weitem nicht ausreichen würden. Die Gäste, die zum Teil von weit her kämen, dürften sich dann wohl auch bei anderen Gastbetrieben der Gegend nach Übernachtungsmöglichkeiten umschauen bzw. würden vom Ehepaar Haas dorthin verwiesen.

Die Bürgerinitiative zeigt sich indes auch von Waldbrunns Bürgermeister Markus Haas und dem Gemeinderat enttäuscht. Bürgermeister Haas werfen die Initiatoren vor, beim LEADER-Ausschuss wider besseres Wissen die erotischen Parties verschwiegen zu haben. Man habe die Bürgerinitiative auch deshalb gegründet, weil von Seiten des Gemeinderats seit Bekanntgabe des “Villa”-Konzepts Anfang Dezember keine Reaktion gekommen sei. “Im Gegenteil, bei der Bürgerfragestunde vom 16.12.19 wurden wir von den gewählten Bürgervertretern belächelt und als intolerant bezeichnet”, so die Bürgerinitiative im Leserbrief. Unterzeichnet ist dieser von den drei Vorständen “R.Schulz, G.Carlucci, D.Hering”.

25.01.20

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