18.05.2022

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Noch (nicht) ganz sauber?


(Fotos: Claudia Richter)

(hr) In der öffentlichen Sitzung des Eberbacher Gemeinderats diskutierte das Gremium vorgestern ausführlich über die Sauberkeit in der Stadt.

Die Diskussion ging auf einen fraktionsübergreifenden Minderheitenantrag zurück, der von SPD-Stadtrat Klaus Eiermann im September 2018 im Gemeinderat gestellt worden war. Kernaussage war damals, dass Eberbach “an vielen Plätzen und Straßenabschnitten nicht sauber, zum Teil sogar vermüllt” sei und “kein adrettes Erscheinungsbild” biete. Die von der Stadt ergriffenen Reinigungsmaßnahmen seien nicht ausreichend, so die Antragsteller. Einen Monat später, im Oktober 2018, wurde über den Antrag verhandelt mit dem Ergebnis, dass die Stadtverwaltung Verbesserungsvorschläge erarbeiten und dem Gemeinderat vorlegen werde. Dafür, dass dies nun geschlagene 16 Monate dauerte, bat Karl Emig, der kommissarische Leiter des nach dem Weggang des Stadtbaumeisters Steffen Koch von Personalnöten geplagten Bauamts um Verzeihung. Emig verwies vorgestern zunächst darauf, dass es eine gültige Satzung gebe, wonach Privateigentümer auch zur Reinigung angrenzender öffentlicher Flächen verpflichtet seien. Aber viele Eigentümer hielten sich nicht daran.
Bürgermeister Peter Reichert wehrte sich gegen Vorwürfe, Eberbach sei schmutzig: “Unsere Stadt ist kein bisschen dreckiger als andere Städte”.

In der Verwaltungsvorlage für den Gemeinderat wird dargelegt, dass im Bauhof drei bis vier Mitarbeiter für die Stadtreinigung eingesetzt werden, zwei von ihnen zu Fuß mit Handwagen, einer mit Fahrzeug und einer als Fahrer der Kehrmaschine. Mülleimer und Hundetoiletten werden geleert sowie umherliegender Müll eingesammelt und im Sommer Wildkrautwuchs beseitigt - wohlgemerkt ohne Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Im Herbst kommt noch das Laub hinzu, außerdem immer wieder Schwerpunkteinsätze nach Vandalismus, nächtlichen Feiern oder Graffitis.
Probeweise hat die Stadt für drei Monate auch zusätzlich eine Dienstleistungsfirma zur Reinigung eingesetzt, mit Kosten von knapp 2.000 Euro pro Monat. Das habe zwar zu mehr Sauberkeit geführt, aber auch zu mehr Aufwand und zu einem weiteren Rückzug der verpflichteten Privateigentümer. Peter Reichert ist sich sicher, dass er mit dem ihm zur Verfügung stehenden Personal das bestmögliche Reinigungsergebnis erzielt und möchte das auch im bisherigen Umfang beibehalten.

Klaus Eiermann blieb dabei, dass Handlungsbedarf bestehe, zeigte sich aber auch mit der Verwaltungsvorlage zufrieden.
Das eingesetzte Reinigungspersonal sieht sich zu Unrecht in der Kritik. Ein Mitarbeiter verwies gegenüber dem EBERBACH-CHANNEL darauf, dass er zu wechselnden Zeiten auch an Wochenenden und abends unterwegs sei und mit seinem Handkarren sein Möglichstes tue. Seine Besen lasse er sich von seinem Bruder aus Italien schicken, denn da wisse er die Qualität zu schätzen. Aber auch ihn ärgere, dass immer mehr Leute einfach achtlos Verpackungsmüll und anderen Unrat auf den Boden werfen. Heute lagerte mitten auf dem Lindenplatz ein großer Haufen Altholz (unser Bild), der laut Abfallverwertungsplan erst am kommenden Mittwoch abgefahren und auch über das komplette Wochenende dort wohl liegen bleiben wird.

Bürgermeister Reichert versprach am Donnerstag auf jeden Fall, an dem Thema dranzubleiben. Er habe herausgehört, dass gegen private Verursacher von Verschmutzungen Sanktionen gewünscht werden, und er werde hierzu wahrscheinlich einen Vorschlag bringen. Im übrigen verwies er auf die Aktion “Sauberes Eberbach”, an der sich die gesamte Bevölkerung beteiligen könne. Nächster Termin dafür ist der 9. Mai.


29.02.20

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