Donnerstag, 04. Juni 2020

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Grenzen des Rotwildgebietes verschieben sich


(Fotos: privat)

(bro) (pw) Die für den 14. März geplante alljährliche Hegeschau in der Eberbacher Stadthalle wurde vom Vorstand der Vereinigung der Rotwildjäger im Odenwald e. V. am Montag, 9. März, kurzfristig abgesagt. Ungeachtet dieser Absage fand die Vorlage der männlichen Trophäen und deren Begutachtung am Donnerstag in der Stadthalle statt.

Insgesamt wurden 140 Trophäen erfasst und bewertet. Mit dieser Vorlage wurde der behördlich angeordnete Nachweis über die Erlegung erbracht. Die Auswertung der Daten spiegelt die Bestandsstruktur des Rotwildes im 46.000 ha großen, drei Länder (Baden-Württemberg, Bayern, Hessen) übergreifenden Rotwildgebiet Odenwald wider und lässt wertvolle Rückschlüsse auf seine Qualität und seine Höhe zu.

In diesem Jahr wurden 859 Stück Rotwild für die Bejagung freigeben. Dies entsprach dem Abschuss-Soll im Jagdjahr 2018/19. Erlegt wurden 715 Stück (720 Stück in 2018/19), was einer Abschusserfüllung von 86,1 Prozent entspricht. Im Vorjahr lag die Erfüllungsquote bei 87,2 Prozent. Beim Kahlwild (weibliches Wild und männliche Kälber) lag die Erfüllungsquote bei 86,1 Prozent (89,1 Prozent im Vorjahr) und bei den Hirschen bei 74,9 Prozent (82,8 Prozent in 2018/19). Bezogen auf die drei Bundesländer lag die Erfüllung in Hessen bei 75,8 (83,4 Prozent), in Baden-Württemberg bei 94 (103,9 Prozent) und in Bayern bei 90,8 Prozent (82 Prozent).

Mit dem silbernen Bruch für den stärksten Hirsch vom zwölften Kopf und älter wurde ein Zwölfender aus dem Revier Eberbach-Imberg mit 175,3 internationalen Punkten ausgezeichnet. Stärkster Hirsch der Hegeschau (Goldmedaille) war ein ungerader Vierzehnender vom zehnten Kopf mit 185,31 internationalen Punkten aus dem Revier Eberbach-Itterberg. Mit einem 6er aus dem Revier GJR Breitenbuch, einem 8er aus dem Revier EJR Viertal und einem abnormen Hirsch aus dem Revier GJR Ottorfszell, alle vom 14. Kopf und älter, sowie einem weiteren abnormen Hirsch vom 13. Kopf aus dem Revier Eberbach Gretengrund präsentierten sich vier für den Odenwald sehr ungewöhnliche Trophäen. Insgesamt war die Anzahl der Hirsche vom zehnten Kopf und älter mit zehn Stück höher als im Vorjahr, wo es nur sechs Hirsche waren. Auch außerhalb des Rotwildgebietes wurden in diesem Jahr deutlich mehr Hirsche in Hessen und Baden-Württemberg erlegt. Ein weiterer Beleg dafür, dass sich die Grenzen des Rotwildgebietes verschieben.

Für das Jagdjahr 2020/21 beschloss der Vorstand die Gesamtzahl der Abschussfreigabe mit etwa 850 Stück im Rotwildgebiet beizubehalten. Auch die im Jagdjahr 2019/20 vorgegebenen Rahmenbedingungen sollen ein weiteres Jahr gelten. Danach wird die Freigabe von mehrjährigen Hirschen an das Abschuss-Ist des Vorjahres gekoppelt. In diesem Zusammenhang appelliert der Vorstand der Hegegemeinschaft an die Jägerschaft, die Abschusszahlen bei den Alttieren und Schmaltieren unter Ausschöpfung der rechtlichen und jagdlichen Möglichkeiten zu erreichen. Die Schadenssituation durch Rotwild hat sich zwar in 2019 leicht verbessert, aber es besteht in einigen Regionen nach wie vor dringender Handlungsbedarf seitens der Jägerschaft. Der Bestandsanstieg des Rotwildes im Odenwald ist nur durch eine gezielte Bejagung der Zuwachsträger aufzuhalten. Aber auch die Verpächter sind gefordert im Dialog mit dem Pächter die notwendigen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bejagung zu schaffen.

Im Rahmen der Hegeschau war ein Vortrag von Prof. Dr. Dr. Sven Herzog von der Universität Dresden zum Thema „Das Rotwild in einem sich ändernden Umfeld“ vorgesehen. Dieser Vortrag wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.

17.03.20

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