Samstag, 05. Dezember 2020

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Gelungenes Schülerkonzert - Klavier pur am 12. August


(Fotos: Christina Lechner/Agentur)

(bro) (as) Schüler, Lehrer und Familien haben allen Grund stolz zu sein. Im bunt gemischten Programm des Ausklang-Konzerts in der Hirschhorner Klosterkirche haben die Protagonisten gezeigt, was sie bisher gelernt haben. Und das konnte sich sehen lassen.

Zu hören waren am vergangenen Mittwoch Blockflöten in den verschiedensten Variationen, mal im Altflötentrio (Anna Debo, Anna Hölz und Annika Schwinn) mit dem Armstrong-Klassiker „What a wonderful world“ oder im Bassflötenduett (Lynn Sauter und Christina Lechner) mit den Variationen von E. Krämer. Alleine schon die schiere Größe der Bassflöten hat beeindruckt. Ihr Sound so überzeugend weich und tief, dass man davon gar nicht genug kriegen konnte. Eher klassisch dagegen wirkte das Trio mit Altflöte (Thanh Mai Trinh), Tenorflöte (Lena Debo) in der Melodiestimme, und Bassflöte (Christina Lechner) als Begleitstimme in Blue Train von Rosin. Dieses Werk schöpft raffiniert das Klangspektrum der Blockflöte aus. Bassflöte und die Tenorflöte imitieren den Rhythmus einer Lokomotive, dazu spielt die Altflöte eine wunderbar romantische Melodie, die wirkt wie eine vorbeiziehende liebliche Landschaft. Am liebsten möchte man in diesen Zug einsteigen und mitfahren.
Aber auch solistisch kommen die Blockflöten zum Einsatz mit „Hidden Tears“, die Bassblockflöte kommt mal temperamentvoll oder auch melancholisch zum Spiel. Aber auch die Altflöte, gespielt von Mara Fuchs, entführte in ferne Weiten in den Westen Amerikas: Dieses Stück ist dem Häuptling Seattle gewidmet: Heilige Erde. Man spürte das Mystische, die Naturverbundenheit in dieser Musik. Laura Scheuermann spielte fantastisch ein Werk des hier ansässigen Komponisten Harald Heilmann. Eine Psalm-Vertonung mit Variationen, die teilweise an eine mittelalterliche Spielmannsmusik erinnerten.

Auch die Harfen führten in verschiedene Welten, Alicia Andryczka spielte ein modernes Werk mit dem Frauennamen Lilith, diese Melodie klang fast schon jazzig, das Nocturne von Emilia war impressionistisch und führte den Zuhörer in eine verträumte Berglandschaft, in der ein Lufthauch die Herbstblätter tanzen lässt.

Um einen Tanz ging es auch mit der Querflöte. Anna Thommes spielte den „Danse de la chevre“, und man konnte sich das ausgelassene Spiel der Ziegen förmlich vor Augen führen. Die Musik erzählte von frechen Bocksprüngen und verträumtem Tänzeln. Sehr eindrucksvoll.

Auch die Klavierspieler begeisterten mit ihren Darbietungen: Miriam Hahn überzeugte mit ihrem eleganten und sicheren Spiel der „Alla Turca“ von W. A. Mozart. Johannes Thommes nutze das ganze Klangspektrum des Klaviers und spielte sicher und präzise „All of me“ von J. Schmidt. Man spürte, dass auch er in dieses Spiel „alles von sich“ gegeben hat. Hier Tempo und Temperament, und dann Einfühlung in eine romantische Stimmung, wie sie Antonia Lechner präsentierte. Musikalisch und dynamisch wunderschön ausgefeilt spielte sie das „Venezianische Gondellied“ von Mendelsohn Bartholdy, mit seinen leisen Töne - ein sanftes Wiegen der Gondel auf einem der Kanäle Venedigs.

Und nicht zuletzt zeigten die Cellistinnen, Stella Franzisko und Elisa Enger, wie sicher und präzise sie ihre Instrumente beherrschten. Ein Vergnügen für das Publikum. Mit Bravour meisterte Elisa Enger das „Rondo“ von Goltermann mit seinen schwierigen Lagenwechseln.

Am Ende spürte man die Erleichterung der Schüler und die Freude der Lehrer nach einer gelungenen Vorführung. Christina und Franz Lecher haben die Künstler des Abends mit ihrer professionellen Ruhe „geerdet“, ihnen die nötige Zuversicht zugesprochen und am Ende auch nicht mit verdientem Lob gespart. Es war ein Vorspielen der besonderen Art, das sowohl für Schüler wie auch für das Publikum eine echte Bereicherung war.

Ausklang-Konzert am 12. August
In einem Konzert junge Preisträger zu erleben, ist etwas ganz Besonderes. Ein bisschen ist es so, als würde man den jungen Picasso, da Vinci oder Miro beim Hineinwachsen in ihre Kunst begleiten. Ein Talent beim Erblühen zuzuhören, so wird dieser Abend mit Atsuko Kinoshita sein. Die junge Pianistin hat ihr Musikstudium 2010 an der Universität für Kunst und Musik in Kyoto abgeschlossen. Inzwischen hat sie etliche weiterführende Studien bei namhaften Professoren und Meistern mit Bravour absolviert und ging in zahlreichen namhaften Wettbewerben als Preisträgerin hervor.

Am 12. August um 20.44 Uhr spielt sie in der Klosterkirche und beschert dem Publikum einen Abend mit „Klavier pur“. Auf dem Programm stehen u. a. Werke von Domenico Scarlatti. Seine Arbeiten beeinflussten unter anderem Johann Sebastian Bach und Friedrich Händel. Scarlattis Sonaten sind ungemein vielfältig, und in manchen seiner Werke scheint er musikalisch seiner Zeit weit voraus zu sein. Seine Kompositionen erfordern bei Spiel eine neue virtuose Technik. Für Schuberts lyrische Werke, die an diesem Abend auf dem Programm stehen, bietet die Klosterkirche einen idealen Resonanzraum. Das gilt auch für Debussys Arabesque mit ihren Verzierungen und Spielereien. Die Zeitreise durch das 19 Jahrhundert setzt sich fort mit Chopin, einmal schwungvoll mit seinem Walzer in Des-Dur Op. 64-1, dann romantisch mit Nocturne in Es-Dur und schließlich mit dem populären Scherzo Nr. 2 in b-Moll op. 31, das als Höhepunkt virtuoser Klaviermusik des 19. Jahrhunderts gilt.

Den Schlusspunkt des Abends setzt die junge Pianistin mit Louis Moreau Gottschalks Souvenirs d´Andalousie. Als junger Komponist hatte der Amerikaner aus New Orleans Europa bereist und die Bekanntschaft von Bizet und Chopin gemacht, die sichtlich beeindruckt waren von seinen Werken. In Spanien hatte er das Königshaus sozusagen musikalisch erobert und offenbar blieb auch ihm die Zeit in Spanien in Erinnerung.

Mit diesem Programm zeigt Atsuko Kinoshita ihr Können auf hohem Niveau. Das vielfältige Programm fordert „alle zehn Finger“ wie Chopin einst für seine Kompositionen reklamierte. Die Interpretation einer jungen Preisträgerin zu erleben, macht „Klavier pur“ in der Klosterkirche zu einem ganz besonderen Abend.

Nach Rücksprache mit den Verantwortlichen in der Diözese in Mainz werden die Corona-Bestimmungen in der Klosterkirche (nur) etwas gelockert. Abstand zu halten, ist nach wie vor Pflicht, dafür sorgen nummerierte Plätze und ihre Zuweisung durch die ehrenamtlichen Helfer des Fördervereins Klosterkirche. Für die Vorbereitung und Planung des Organisationsteams hat sich eine elektronische Anmeldung per E-Mail (Link s. u.) bewährt.

Doch auch wenn in der Kirche kein Platz mehr frei ist, muss auf den musikalischen Genuss nicht verzichtet werden. Mike Müller von Ceol-Studio in Kortelshütte wird wieder für einen Livestream sorgen, der in den Kapitelsaal des Klosters übertragen wird - und natürlich online im World-wide-web - so können die Musikfreunde in aller Welt dem Abend mit „Klavier pur“ folgen.

Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.

E-Mail-Kontakt: familie.lechner@gmx.net

Infos im Internet:
www.ceol.studio


03.08.20

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