27.11.2022

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Freie Wähler, SPD und AGL wollen Eberbach bis 2035 klimaneutral machen


Verstärkte Nutzung von Sonnenenergie zur Stromerzeugung kann ein wichtiger Beitrag zur Klimaneutralität einer Kommune sein. (Foto: Hubert Richter)

(hr) Eine breite Mehrheit im Eberbacher Gemeinderat scheint sich des Themas Klimaschutz nun ernsthaft annehmen zu wollen. Die Fraktionen der Freien Wähler, der SPD und der AGL brachten in der Ratssitzung am Donnerstag, 26. November einen gemeinsamen Antrag dazu ein.

Nach dem von Peter Wessely (Freie Wähler) gestellten Antrag soll die Stadt Eberbach es sich zum Ziel setzen, bis zum Jahr 2035 eine klimaneutrale Kommune zu werden. Das Ziel der Klimaneutralität bis 2035 müsse von der Verwaltung und dem Gemeinderat in allen kommunalen Handlungsfeldern und bei allen Beschlüssen einbezogen und berücksichtigt werden, d.h. bei allen Entscheidungen des Gemeinderats gelte dann der Klimaschutz-Vorbehalt. Mit der Umsetzung dieses Ziels sei sofort zu beginnen, so Wessely. Konkrete Maßnahmen zur Erreichung dieses Ziels sollten von der Verwaltung getrennt nach Sofortmaßnahmen und mittelfristige Maßnahmen im 1. Halbjahr 2021 erarbeitet werden. Der Maßnahmenkatalog sei dann jährlich fortzuschreiben. Die Verwaltung müsse dem Gemeinderat jährlich Bericht über die durchgeführten Maßnahmen und die CO2-Bilanz Eberbachs erstatten. Eine weitere Personalstelle, die die Umsetzung der Klimaneutralität zur Aufgabe hat, solle im Jahr 2021 geschaffen werden.

Peter Stumpf (AGL) sagte zur Begründung des gemeinsamen Antrags, dass der Klimaschutz keinen weiteren Aufschub vertrage und dem Thema auf allen politischen Ebenen höchste Priorität einzuräumen sei. Schließlich sei wissenschaftlich erwiesen, dass die Erderwärmung so früh wie möglich gestoppt werden müsse, um die Auslösung von Kipppunkten wie z.B. das unumkehrbare Abtauen der Eisschilde von Grönland und Antarktis zu verhindern, die eine nicht mehr umkehrbare weitere Erhitzung auslösen und die menschliche Zivilisation bedrohen würden, so Stumpf. Jedes Land und jede Kommune müsse Beiträge zum Klimaschutz leisten. Stumpf forderte Bürgermeister Peter Reichert auf, den Antrag möglichst bereits auf die Tagesordnung der nächsten Gemeinderatssitzung zu nehmen.
Zum eigentlichen Begriff der Klimaneutralität äußerte Peter Stumpf in einer schriftlichen Ergänzung zum Antrag: Eine Kommune sei dann klimaneutral, wenn der Treibhausgas-Ausstoß sämtlicher Aktivitäten auf ihrem Gebiet das Klima nicht beeinflusse.

Reichert reagierte - so wörtlich - “maßlos enttäuscht” über diesen Antrag, denn er selbst habe bereits am 1. Oktober einen Grundsatzbeschluss zur Klimaneutralität Eberbachs angekündigt (wir berichteten), allerdings erst im ersten Halbjahr 2021 und eher mit dem Zieljahr 2040 statt 2035, was den Antragstellern wohl nicht engagiert genug war. Reichert kündigte aber an, den Antrag anzunehmen und darüber zu beraten.

Eine Erklärung, warum die CDU bei dem Antrag nicht dabei ist, gab Stadtrat Patrick Joho für seine Fraktion ab. Auch die CDU sehe die Notwendigkeit des Klimaschutzes. Aber der Antrag sei zu unspezifisch, und man habe ja gewusst, dass sich der Bürgermeister des Themas angenommen habe. Dem habe man nicht vorgreifen wollen. Dafür erntete Joho deutlich vernehmbares Gelächter aus den anderen Fraktionen.

In einem offenen Brief am Tag nach der Gemeinderatssitzung zeigten sich Katharina und Stefan Klein von der Klimainitiative Eberbach “glücklich und erleichtert” über den Antrag der drei Fraktionen und richteten die dringende Bitte an den Bürgermeister und die CDU, dem Antrag beizutreten. Es sei von übergeordneter Bedeutung, dass der Gemeinderat “in dieser existenziellen Zukunftsfrage” große Geschlossenheit demonstriere, denn “diese Menschheitsaufgabe” mit weitreichenden Folgen für nachfolgende Generationen könne man auch in Eberbach nur gemeinsam bewältigen.

29.11.20

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