21.05.2022

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Auf bis zu 16 Singletrails könnte es bald querfeldein durch den Wald gehen


Ein im Frühjahr 2020 gesperrter Singletrail im Eberbacher Stadtwald. (Archivfoto: Hubert Richter)

(hr) Über Planungen für spezielle Mountainbike-Strecken, so genannte “Singletrails” im Stadtwald, informierte die Stadtverwaltung den Gemeinderat in seiner Sitzung am 26. November.

Singletrails sind schmale Mountainbike-Pfade, die überwiegend bergab und querfeldein durchs Gelände führen und den Fahrern teils großes technisches Können abverlangen. In Eberbach gibt es eine rührige Interessengruppe für diese Form des Radsports, und so sind seit 2018 an verschiedenen Stellen im Stadtwald zunächst illegale Trails mitten durch den Wald entstanden, die teilweise auch mit baulichen Veränderungen wie Rampen und Steilwandkurven versehen waren. Illegal waren sie nicht nur deshalb, weil sie ohne Absprache und ohne Erlaubnis der Stadt als Waldeigentümerin angelegt wurden, sondern auch, weil es in Baden-Württemberg gesetzlich verboten ist, im Wald auf schmalen Wegen (unter 2 m Breite) Rad zu fahren.
Im Frühjahr wurden die ungenehmigten Trails vorsorglich gesperrt (wir berichteten), aber Stadt- und Forstverwaltung sowie der Naturpark Neckartal-Odenwald standen schon länger mit den Mountainbikern im Dialog und tun das offenbar weiterhin. Dieser Dialog trägt Früchte, indem nun versucht wird, eine ganze Reihe von Singletrails rund um Eberbach offiziell genehmigen zu lassen und auszuweisen.

Wie der Leiter der städtischen Abteilung Kultur - Tourismus - Stadtinformation (KTS), Tobias Soldner, in der Gemeinderatssitzung erläuterte, befasse man sich mit 16 Streckenvorschlägen der Mountainbike-Interessengruppe. Drei der Trails stufe man als schwer zu befahren ein, fünf als mittelschwer und acht als leicht. Die Mountainbiker hätten auch eine MTB-Rundstrecke um Eberbach entwickelt, von der aus die vorgeschlagenen Trails befahren werden könnten.
Es gelte nun, die Streckenvorschläge auf Gefahren im Wald zu beurteilen. Tatsächlich umgesetzt sollten laut Soldner nur Trails ohne atypische Waldgefahren (wie zum Beispiel Bauwerke) werden, da die Stadt sonst eine erhöhte Verkehrssicherungspflicht habe. Im Rahmen der normalen Verkehrssicherungspflicht entstehen aber auch Kosten für die Kontrollen der betroffenen Waldbereiche und das Entfernen von Gefahrenstellen. Da diese Kontrollen nicht zusätzlich vom Forstpersonal geleistet werden könnten, müssten sie an externe Dienstleister vergeben werden. Hier liegt noch keine Kostenschätzung vor. Um geeignete Singletrails für die Biker freigeben zu können, müssen sie forst- und naturschutzrechtlich genehmigt werden.

CDU-Stadtrat Patrick Joho, selbst bekennender Mountainbiker, dankte der MTB-Community für ihr Engagement und ihr Know How. AGL-Stadtrat Peter Stumpf äußerte Bedenken hinsichtlich Konflikten mit anderen Waldbesuchern, insbesondere Wanderern. Er möchte nicht Hunderte von Mountainbikern im Eberbacher Wald haben, so Stumpf. Auf eine überregionale Werbung für diese Trails solle man daher lieber verzichten.

Tatsächlich wären 16 Singletrails für Eberbach ein sehr ambitioniertes Angebot in dieser Sportart. Selbst bekannte touristische Zentren im Schwarzwald und anderen Regionen bieten derzeit keine annähernd so hohe Zahl spezieller Bike-Pfade an. Im Wald um Freiburg zum Beispiel gibt es aktuell drei MTB-Singletrails, in Baiersbronn fünf, in vielen anderen bekannten Gemeinden gerade mal je einen.

05.12.20

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