13.08.2022

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Erster Entwurf mit hoch gesteckten Zielen in einem kurzen Zeitraum


Eine der Zielvorgaben: Photovoltaik auf 90 Prozent der geeigneten DÀcher in Eberbach in den nÀchsten 13 Jahren. (Foto: Hubert Richter)

(hr) Am 18. MĂ€rz 2021 beschloss der Gemeinderat mit knapper Mehrheit, dass Eberbach bis zum Jahr 2035 klimaneutral werden mĂŒsse. Als wesentliche Handlungsgrundlage dafĂŒr gilt ein “Meilensteinplan”, der zur Zeit erarbeitet wird und dessen erster Entwurf vorgestern im Gemeinderat öffentlich vorgestellt wurde.

In der Stadthalle online zugeschaltet war dafĂŒr Dr. Jan MĂŒcke von der Energielenker GmbH in Fellbach, die fĂŒr den Meilensteinplan beauftragt wurde. Laut Definition der Bundesregierung ist KlimaneutralitĂ€t “ein Gleichgewicht zwischen Treibhausgasemissionen und deren Abbau”. Um das zu erreichen, sieht MĂŒcke verschiedene Handlungsfelder: GebĂ€udesanierungen und energetische Vorgaben fĂŒr Neubauten, MobilitĂ€t (Verkehr), EnergietrĂ€ger-Mix fĂŒr WĂ€rme und Strom-Mix. Dass Eberbach bis 2035 vor Ort völlige KlimaneutralitĂ€t erreichen könne, hielt MĂŒcke fĂŒr unmöglich. Es werde auf jeden Fall ein RestĂŒberschuss an Treibhausgas- (THG)-Emissionen bleiben, der durch andere Maßnahmen kompensiert werden mĂŒsse, beispielsweise CO2-Handel oder CO2-Speicherung im Wald. Letzteres ist in Eberbach durch seinen hohen Waldanteil bereits ein Faktor, allerdings wird die CO2-Speicherung im Wald nicht der jeweiligen Kommune angerechnet, sondern der BRD insgesamt. Das stieß besonders bei BĂŒrgermeister Peter Reichert auf Unmut, denn immerhin habe Eberbach den fĂŒnftgrĂ¶ĂŸten Kommunalwald in Baden-WĂŒrttemberg und habe fĂŒr die KlimaneutralitĂ€t keinen Nutzen daraus.

MĂŒcke glaubt, dass Eberbach bis 2035 die THG-Emissionen um etwa 90 Prozent reduzieren könne. Die dafĂŒr erforderlichen Maßnahmen muten allerdings sehr ambitioniert an: Es mĂŒssten nĂ€mlich 90 Prozent der geeigneten GebĂ€udedĂ€cher in Eberbach mit Solarstromanlagen (Photovoltaik) ausgerĂŒstet werden (auch GebĂ€ude in Privatbesitz). Falls die Windenergienutzung auf dem Hebert nicht kommt (hierĂŒber sollen die Wahlberechtigten im BĂŒrgerentscheid am 3. April 2022 abstimmen), mĂŒsste zusĂ€tzlich auf 40 Prozent der geeigneten FreiflĂ€chen (z.B. Wiesen, AckerflĂ€chen) auf Eberbacher Gebiet Photovoltaik installiert werden. Das Szenario geht außerdem von einer energetischen Sanierung aller GebĂ€ude in Eberbach bis 2035 und bei der WĂ€rmeerzeugung von einem völligen Verzicht auf Kohle, Heizöl und Erdgas aus (ebenfalls in allen privaten GebĂ€uden), und das innerhalb der nĂ€chsten 13 Jahre.
Bei der MobilitĂ€t sollte der individuelle Autoverkehr um 24 Prozent abnehmen zu Gunsten u.a. des ÖPNV sowie des Rad- und Fußverkehrs. Parallel dazu mĂŒsste der Anteil alternativer Antriebe (z.B. E-Autos) auf 86 Prozent gesteigert werden.

Auf eine Frage aus dem Gremium, ob Eberbach nicht doch völlige KlimaneutralitĂ€t aus eigener Kraft statt nur 90 Prozent erreichen könnte, erwiderte MĂŒcke, dass die Ziele bereits sehr hoch gesteckt seien und ansonsten nur “noch unrealistischer” wĂŒrden.

Wie der Eberbacher Meilensteinplan zur KlimaneutralitĂ€t letztendlich aussehen wird, wird der Gemeinderat voraussichtlich in den nĂ€chsten Sitzungen im Jahr 2022 besprechen. Dann werden ziemlich genau zehn Jahre seit der Vorstellung des ersten Klimaschutzkonzepts fĂŒr Eberbach vergangen sein (wir berichteten). Das damalige Konzept enthielt sehr Ă€hnliche Maßnahmen wie der Entwurf des jetzigen Meilensteinplans. FĂŒr ihre Umsetzung hat Eberbach nun aber nicht mehr viel Zeit, wenn die KlimaneutralitĂ€t bis 2035 tatsĂ€chlich auch nur annĂ€hernd erreicht werden soll.

18.12.21

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