13.08.2022

Nachrichten > Politik und Gesellschaft

Forst und Naturschutz sollen Eberbacher Single-Trails prĂŒfen


(Repro: Hubert Richter)

(hr) Eberbach plant ein großzĂŒgiges Angebot fĂŒr Mountainbike-Sportler: Auf 13 sogenannten “Single-Trails” soll es demnĂ€chst quer durch den Wald rund um Eberbach steil bergab gehen. Bei der Forstbehörde wird dafĂŒr nun ein Genehmigungsantrag gestellt.

Der Gemeinderat beschloss am Donnerstag, 27. Januar, in öffentlicher Sitzung in der Stadthalle mit großer Mehrheit die Beantragung der Trails durch den Naturpark Neckartal-Odenwald im Auftrag der Stadt.
Eine Ausnahmegenehmigung ist erforderlich, weil solche schmalen Radrouten quer durch den Wald eigentlich im Waldgesetz verboten sind. In Baden-WĂŒrttemberg ist das Radfahren im Wald nur auf Wegen erlaubt, die mindestens zwei Meter breit sind. Der Gemeinderat will sich mit den Trails aber einem “Trendsport” öffnen, denn man sieht bei vielen Bikern einen hohen Bedarf nach solchen Strecken, die teilweise - je nach Schwierigkeitsgrad des Trails - enormes fahrerisches Können und eine ausgefeilte Technik erfordern. Die geplanten Trails gehen auf eine Initiative Eberbacher Radsportler zurĂŒck. Seit 2018 entstanden an verschiedenen Stellen im Stadtwald zunĂ€chst illegale Single-Trails ohne Absprache mit der Stadt. Diese wurden im FrĂŒhjahr 2020 durch die Forstverwaltung gesperrt. Stadt und Forst traten zusammen mit dem Naturpark in einen Dialog mit den Mountainbikern, der schließlich zum vorliegenden Konzept mit vier “leichten”, fĂŒnf “mittel-schweren” und vier “schweren” Trails fĂŒhrte. ErgĂ€nzt und vernetzt werden die Trails durch eine Mountainbike-Rundstrecke um Eberbach, eine “Freizeitrundstrecke” und eine “Endurorundstrecke”.

Laut Tobias Soldner von der Abteilung Kultur, Tourismus, Stadtinformation (KTS) habe man bei der Planung versucht, Konfliktsituationen mit anderen Waldbesuchern zu minimieren. Auch mit den JĂ€gern sei das Konzept abgestimmt. So haben man Streckenanpassungen vorgenommen und ein Nachtfahrverbot vorgesehen. Da das Befahren der Trails nicht ungefĂ€hrlich ist, sei auch ein Rettungskonzept erarbeitet worden. Die naturschutzrechtlichen Belange sollen im Genehmigungsverfahren mitgeprĂŒft werden, denn die Forstbehörde muss dabei die Untere Naturschutzbehörde hinzuziehen. Die voraussichtlichen Kosten bezifferte Soldner auf 28.600 Euro netto fĂŒr Beschilderung und Werbematerial. AbzĂŒglich Förderung betrĂ€gt der Eigenanteil der Stadt wohl etwa 11.500 Euro.

WĂ€hrend CDU, Freie WĂ€hler und SPD die Planung im Gemeinderat einhellig unterstĂŒtzten, Ă€ußerte die AGL Bedenken: Lothar Jost sprach sich generell gegen jede Abweichung vom Waldgesetz und damit gegen alle Single-Trails quer durch den Wald mit negativen Folgen wie Erosion und WurzelschĂ€den aus. Peter Stumpf warb fĂŒr ein zunĂ€chst reduziertes Angebot von drei bis vier Trails in einem Teilbereich des Stadtwaldes (neben den Rundrouten auf normal breiten Waldwegen) mit der Option einer spĂ€teren Erweiterung. Stumpf befĂŒrchtete bei dem nun geplanten umfangreichen Angebot eine Überflutung des Walds durch Hunderte Biker, die vor allem an Wochenenden mit Autos auch aus grĂ¶ĂŸerer Entfernung anreisen könnten. Das sei nicht nur fragwĂŒrdig hinsichtlich des Klimaschutzes, sondern lasse auch Konflikte mit Wanderern erwarten.
Rolf Schieck (SPD) stellte klar, dass es mit dem jetzigen Beschluss erst einmal nur um die Genehmigung der Strecken gehe. Über die genaue Umsetzung werde noch gesondert beschlossen.

In der Endabstimmung wurde der Genehmigungsantrag bei drei Gegenstimmen der AGL befĂŒrwortet. Bedingung fĂŒr die Umsetzung der Planung ist die GrĂŒndung eines Vereins oder der Anschluss der Biker an einen bestehenden Verein, der sich im Rahmen eines Betreuungsvertrags um die Unterhaltung der Trails kĂŒmmert.

29.01.22

© 2022 www.EBERBACH-CHANNEL.de / OMANO.de