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Betreff: Zum Unterrichtsbeginn: Worther
Autor: Karlheinz Mai (22.09.2018 10:21)

Was einen zu 'Unterrichtsbeginn' auch einmal interessieren könnte: Wortherkunft von : Schule- Akademie - Lyceum . Gymnasium - Universität ?
Das Wort 'Schule' selbst ist über Lateinisch 'schola' (skola, vgl. frz. école) uns zugekommen. Die griechische s-cholé ist urspr. 'Muße', dann die 'den Wissenschaften gewidmete Freizeit, Schule'.
Humanistische Anspielungen, - d. h auf griechisch-lateinischem Bildungsgut aufgebaut - sind die Bezeichnungen für andere ähnliche Einrichtungen.
Akademie hieß ein parkartiges Grundstück, geweiht dem attischen Helden Akádemos, von Platon für seine Wohnung und Lehrstätte erworben. Akádemos soll den Zeus-Söhnen Kastor und Pollux den Ort verraten haben, wo der Athenerkönig Theseus deren geraubte Schwester Helena versteckte. Er rettete so die die Stadt vor der Eroberung durch die Brüder und vermied einen Krieg mit Athen, der später als "Trojanischer Krieg" ausbrach wegen des zweiten Raubs dieser inzwischen Ehefrau des Spartanerkönig Menelaos gewordenen "Miss World" der damaligen Zeit durch den Trojaner Paris. Alles uns bekannt durch Homers Ilias.
Lyzeum / lycée kommt von gr. Lýkeion, einem athenischen Bezirk mit Heiligtum des Apóllon Lýkeios, des 'wolfstötenden Apollo (lýkos - Wolf ), der hier als Abwehrer von Unheil verehrt wurde. Ebendort befand sich ein "gymnasion" (Gymnasium), eine Sportstätte, in der auch Philosophen auftraten und lehrten, als berühmtester unter ihnen Aristoteles. Griechisch 'gymnásion ' war eine Sportstätte, 'Ort für Nacktsport', der in Griechenland üblich wurde, seit der Läufer Orsippos 720 v. Chr. in Olympia beim Lauf seinen Lendenschurz verloren und durch Weiterlaufen gesiegt haben soll, indem ein nackter Mann eben auch schneller laufe als ein gegürteter. Einen rein lateinischen Ursprung hat Universität. Es bedeutet eigentlich 'Gesamtheit (alle) von irgendetwas' und verlangt nach einem Genitivus partitivus, der den Teil von einem Ganzen bezeichnet: also etwa Universitas magistrorum, scholarium, suppositorum - Gesamtheit der Lehrer, Studenten, Unterstellten" eines "Studium generale" ( Allgemeines Studium), wie die damalige Universität' sich eigentlich meist nannte.
Die genannten Begriffe haben alle ihr Wesen sehr geändert. Durch Platon wurde der Name Akademie bis heute zum Begriff für die verschiedensten Bildungsinstitutionen. Akademie heißen so seit der Frührenaissance neben Körperschaften zur Pflege der Nationalsprache und der Wissenschaften auch Kunst- und Bauschulen. Auch Konzerte - öffentliche und gegen Eintrittsgeld - nannte man Akademien, wie z. B. Mozarts Sprachgebrauch bis hin zu den derzeitigen Mannheimer Akademie-Konzerten es bezeugt.
Lycée heißt in Frankreich die höhere Schule (unser Gymnasium), während 'le gymnase' weiterhin 'die Turnhalle' ist. Das Lyzeum war in Norddeutschland seit dem 19.Jahrhundert die Mädchenschule ('Höhere Töchterschule), die man wohl wegen der Grundbedeutung nicht Gymnasium nennen wollte, vielleicht auch nicht weil Hetären (antiken Prostituierte) unter Namen wie 'Acroteléutium ' (Gipfel der Vollkommenheit), 'Philemátium' (Liebkosung, Kuss) oder auch 'Gymnásium' (Turnplatz !) - in den Komödien - etwa bei Plautus - vorkamen.
Gymnasium selbst ist eine etwa seit 1500 bei uns aufgekommene Humanisten-Bezeichnung für Schulen mit Griechisch und Latein. Wahrscheinlich kam die Anregung dazu aus Ciceros Briefen an Freund Atticus (I 4), in denen er von den 'gymnasia' spricht, die er sich auf seinem auch der geistigen Erholung dienenden Landsitz Tusculanum mit vielen griechischen Statuen einrichtete. Der Grundgedanke von 'gymnásion' drang erst mit dem Sportunterricht (Gymnnastik) wieder ins Gymnasium ein.
Der Sinn, dass mit dem Namen "Universitas" gemeint sei, hier werde die "Gesamtheit aller Wissenschaften - universitas Iitterarum' gelehrt, steckt in ihm ursprünglich nicht, wie deutlich hervorgeht aus dem Gebrauch als Anrede und als reine Beschreibung der personalen Struktur der Einrichtung: universitas magistrorum, scholarium, suppositorum - Gesamtheit der Lehrer, Schüler, Unterstellten. Da der häufig auf 'Universitas' allein verkürzt gebrauchte Ausdruck aber nach einem Genitiv verlangte (Gesamtheit von etwas) setzte man aus Unachtsamkeit oder wohl auch zur Sublimierung des Begriffs den Genitiv Plural 'litterarum' von 'litterae - Wissenschaften' dazu. Der Name für die ältere Universität war meist 'Academia' oder 'Studium generale', im Unterschied zu den vorbereitenden örtlichen 'Lateinschulen', den späteren Gymnasien, so genannt.
Das damalige 'Studium generale' (Universität) war in vier, allerdings nicht gleichgeordnete Fakultäten gegliedert: die Artistenfakultät, für die sich ab dem 16. Jahrhundert auch der Name philosophische Fakultät einbürgerte. Sie war die unterste. In sie alle Studenten der ersten Semester eingeschrieben wurden. Sie bereitete nach den sieben 'Artes liberales - freien Künste' vor für die spezielleren Studien an den drei oberen Fakultäten, der medizinischen (Medicina), juristischen (Iurisprudentia) und der theologischen (Theologia) als der höchsten. Der Lehrstoff der 'Artistenfakultät (der späteren - ab dem 16. Jahrhundert - Philosophia / philosopische Fakultät genannten - war eingeteilt in einem Unterkurs (trivium - Dreiweg; > trivial (heute: alltäglich, abgedroschen) mit Grammatik (lateinische Sprache), Rhetorik (Reden, Briefe verfassen), Dialektik (Logik: aristotelische logische Grundbegriffe: Syllogismus, Definition, Kategorien verstehen) und in einem Oberkurs (quadrivium - Vierweg) mit Arithmetik, Geometrie /Erd-kunde, Musik, Astronomie). Diese Artistenfakultät entsprach im Grunde der Oberstufe der späteren, seit dem 19. Jahrhundert bestehenden neueren Gymnasien.
. Karlheinz Mai


(Diese Angabe dienen nur der auch im Feuilleton gültigen Anforderung, dass man zwar 'zusammenstellen' darf, aber nicht 'zusammenstehlen' soll (Karl Kraus) bzw. 'zusammenklauben' darf, aber nicht 'zusammenklauen'', also wenigstens der Redaktion die Quellen angibt.

Klaus Bartels: Wie Berenike auf die Vernissage am, 77 Wortgeschichten,Darmstadt1996, S. 17-19 (Akademiker).
Franz Dornseiff: Die griechischen Wörter im Deutschen, Berlin 1950, S.80-81.
Hans Rupprecht Goette / Jürgen Hammerstaedt: Das antike Athen Ein literarischer Stadtführer, München 2004, S.209-214.
Bernhard Neutsch: Der Sport im Bilde griechischer Kunst, Heidelberg 1949, S. 8.
Hubert Ortkämper: Olympische Legenden, Frankfurt 1996 (insel taschenbuch 1828), S.58-59.
Friedrich Paulsen: Organisation und Lebensordnungen der deutschen Universitäten im Mittelalter, Historische Zeitschrift (HZ), 45, 1881, S. 385-386, Anm. 2.
Ders.: Geschichte des gelehrten Unterrichts, Leipzig 1919, 3. A., Bd. 1, S. 330-331.
Der Kleine Pauli. Lexikon der Antike, München 1979, Bd.1, Sp. 211--214 (Akademéia) und Bd. 3, Sp.808-809 (Lykéion).



901 W.;
ohne letzten Abschnitt ("Das damalige 'Studium generale' (Universität) war in vier ..."): 597 W.

gez. Mai

 
Antwort von Unwissender (26.09.2018 23:12)

Aha...gut zu wissen...sehr nützliche Informationen

Antwort von Sargon-Puthercle von Ackadien (28.09.2018 23:44)

Die Quintessenz und wichtigste Erkenntnis der Artikels für mich ist, dass "Schule" ursprünglich der Muße diente, mithin eine Lasterhöhle war frei nach dem Motto 'ohne Müßiggang kein LKW'.

Antwort von hoschpes (30.09.2018 09:24)

Grüße an meinen "alten" Lehrer. Was man an diesen "pädagogischen Haudegen" hatte, weiß man leider erst Jahre später.

Antwort von Discipulus (01.10.2018 15:58)

# Hoschpes

Dem kann nich nur zustimmen.

Antwort von leser (02.10.2018 20:15)

@ Discipulus

Dem kann nich nur zustimmen.

Ähhhm, bitte um Korrektur. Ich oder nicht???

Antwort von Discipulus (03.10.2018 13:47)

@ Leser

"ich" natürlich.

Antwort von Discipulus (03.10.2018 14:33)

@lehrer:

ääähm nicht

Antwort von Robert S. (09.10.2018 22:22)

Danke Herr Mai!

Leider wird klassische Bildung heute von vielen nicht mehr wertgeschätzt!

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