Die Sprache Europas ist die Ăśbersetzung (Foto: privat)(hr) (mk) Ende Januar durften 20 Schüler und Schülerinnen der Realschule Eberbach aus den Klassenstufen 8 bis 10 im Europäischen Parlament in Strasbourg (Frankreich) erleben.
Im Rahmen des europaweit renommierten “Euroscola”-Programms wurden sie für einen Tag Teil der europäischen Demokratie. Gemeinsam mit Jugendlichen aus 25 europäischen Ländern nahmen sie nicht auf der Besuchertribüne, sondern im Plenarsaal des Europäischen Parlaments Platz – dort, wo sonst Abgeordnete aus allen Mitgliedstaaten über die Zukunft Europas beraten und Entscheidungen für mehr als 400 Millionen Menschen treffen. Unterschiedliche Sprachen, Kulturen und Perspektiven prägten den Tag. Europa zeigte sich hier in seiner lebendigen Vielstimmigkeit, die getragen wird von Dialog, Ăśbersetzung und gegenseitigem Zuhören.
Euroscola gilt europaweit als besonders anspruchsvolles Bildungsprojekt. Nur ausgewählte Schulen erhalten die Möglichkeit, ihre Schülerinnen und Schüler in das Herz der europäischen Politik zu entsenden. Die Teilnahme der Realschule Eberbach ist daher auch eine besondere Anerkennung. Martin Kohler, verantwortlicher Projektlehrer, betont die Bedeutung des Programms: “Euroscola ist so viel mehr als ein Tag in StraĂźburg. Euroscola ist politische Bildung auf höchstem Niveau. Unsere Schülerinnen und Schüler erleben hier, dass Demokratie von Vielfalt lebt – von unterschiedlichen Stimmen, Meinungen und Erfahrungen. Wer Europa verstehen will, muss lernen, diese Vielstimmigkeit auszuhalten und produktiv zu nutzen.“
In einer Fragerunde mit Esteban González Pons, einem der Vizepräsidenten des EP, Diskussionsrunden mit dem Politikanalysten Camille Siefridt und simulierten Abstimmungen setzten sie sich mit aktuellen Themen auseinander, die junge Menschen in Europa bewegen. Demokratie wurde dabei vom abstrakten Unterrichtsinhalt zur gelebten Erfahrung: diskutieren, argumentieren, zuhören, entscheiden – mitten im Herzen Europas.
Im Mittelpunkt stand das Thema „Zero Pollution“, eine Zukunftsfrage, die den Alltag unmittelbar betrifft. Diskutiert wurden unter anderem saubere Luft in Städten, Mikroplastik im Wasser, Lärmbelastung und die Reduzierung schädlicher Emissionen. Schnell wurde deutlich: Umweltverschmutzung kennt keine nationalen Grenzen. Viele erlebten es als besonders eindrucksvoll, im Plenarsaal selbst Stellung zu beziehen und an simulierten Abstimmungen teilzunehmen.
Begleitet von ihren Lehrkräften Christina Frischholz und Martin Kohler zeigten sich die Eberbacher Jugendlichen engagiert, offen und diskussionsfreudig. Trotz unterschiedlicher Muttersprachen gelang es den Teilnehmenden, gemeinsam Ideen zu entwickeln und Lösungen zu formulieren – ganz im Sinne von Umberto Ecos Satz “Die Sprache Europas ist die Übersetzung“, der an diesem Tag lebendig wurde: Übersetzung meint mehr als Sprache. Sie bedeutet, die Perspektive des anderen mitzudenken.
Die Teilnahme an der Euroscola war eine bereichernde Erfahrung europäischer Vielstimmigkeit, eine Lektion in demokratischem Miteinander und ein starkes Zeichen dafür, dass Europa dort lebendig ist, wo (junge) Menschen lernen, einander zuzuhören. Im Austausch mit Gleichaltrigen aus vielen Ländern erfuhren die Schüler und Schülerinnen, dass ihre Stimme Teil eines größeren Ganzen ist. Entscheidungen, die im Europäischen Parlament getroffen werden, betreffen ihr eigenes Leben - heute und in Zukunft.
07.03.26
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