Heimliche Waldbewohnerin kehrt zurück (Foto: RNK)(hr) (rnk) Ergänzend zu dem vor zwei Jahren durch Pflanzarbeiten angelegten Wildkatzenwald bei Eberbach gab es in diesem Jahr einen erneuten Arbeitseinsatz Jugendlicher zur Biotopverbesserung für die seltene Katzenart.
Die Europäischen Wildkatze (Felis silvestris) gilt als typische Art strukturreicher Wälder. In Baden-Württemberg galt sie bis 2006 als ausgestorben. Inzwischen breitet sie sich wieder aus. Auch in der Nähe der Projektflächen des Wildkatzenwaldes bei Eberbach wurde die Art bereits nachgewiesen.
Eine sichere Unterscheidung von Wild- und Hauskatze ist anhand äußerer Merkmale allerdings sehr schwierig. Wildkatzen sind meist etwas größer und schwerer als Hauskatzen und haben einen buschigeren Schwanz. Vor allem ihre Lebensweise unterscheidet sie: Die nachtaktiven Wildtiere meiden die Nähe zu Siedlungen und benötigen große, zusammenhängende Waldgebiete. Dort sind sie auf störungsarme Rückzugsorte, ausreichend Deckung und genügend Nahrung angewiesen. Auf ihrem Speiseplan stehen überwiegend Wühlmäuse. Aber auch andere kleine Nagetiere werden zur Beute.
Besonders geeignete Lebensräume sind abwechslungsreiche Wälder mit Waldwiesen, Lichtungen, jungen Baumbeständen, Windwurfflächen und strukturreichen Waldrändern. Sie bieten Schutz, Wärme und ausreichend Nahrung. Für die Aufzucht ihrer Jungen nutzt die Wildkatze beispielsweise Baum- und Wurzelhöhlen, Felsspalten, Baumstümpfe oder geschützte Reisighaufen. Die Paarungszeit fällt in den Februar und März. Zwischen Ende März und Mitte Mai kommen die kleinen Kätzchen zur Welt.
Um solche Lebensräume zu fördern, wurden im Wildkatzenwald bei Eberbach gezielt neue Strukturen geschaffen. Im Dezember 2024 pflanzten der BUND Baden-Württemberg und die Stadtförsterei Eberbach gemeinsam mit einer Schulklasse und weiteren Freiwilligen auf drei Flächen mehr als 2.000 heimische Bäume und Sträucher (wir berichteten).
Auch der Abbau alter Zäune trägt zum Schutz der Wildtiere bei. Im Rahmen des “Workcamp Wildkatzenwald“ von BUND und BUNDjugend entfernten im August dieses Jahres 20 junge, naturbegeisterte Menschen rund 1.400 Meter alte Metallzäune und errichteten zwei sogenannte Wildkatzenburgen aus Totholz. Denn in Knotengitterzäunen können sich Wildkatzen und andere Tiere verfangen und verletzen. Die Totholzhaufen bieten dagegen geschützte Rückzugsorte. Gemeinsam mit Wurzeltellern, Habitatbäumen, Waldwiesen und naturnahen Waldrändern schaffen sie wertvolle Strukturen, die zahlreichen Tier- und Pflanzenarten zugutekommen.
So entsteht bei Eberbach Schritt für Schritt ein vielfältiger und widerstandsfähiger Wald, der auch den Herausforderungen des Klimawandels besser begegnen kann. Davon profitieren nicht nur die heimliche Wildkatze, sondern auch viele weitere Arten.
07.11.26 © 2026 www.EBERBACH-CHANNEL.de / OMANO.de |