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Nachrichten > Kultur und Bildung

Endlich wieder Festival-Feeling nach langer Zeit

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Adax Dörsam und Silke Hauck. (Foto: Thomas Wilken)

(tom) Um 20.30 Uhr richtete sich am vergangenen Samstag ein banger Blick nach oben. Kommen jetzt die angekündigten Gewitter und heftigen Schauer? Nein, denn Adax Dörsam und Silke Hauck "bluesten" den Regen weg, der sich breit machen wollte. Nur eine knappe halbe Stunde tröpfelte es mal mehr, mal weniger, dann ging das Kulturfestival „Kohü Open“ wieder seinen normalen Gang. Der künstlerische Leiter Heiko Plank zeigte sich im Nachklapp sehr zufrieden mit dem Ablauf. Die angepeilte Besucherzahl wurde erreicht, auf der Hirschhorner Höhe gab es ein regionales Kulturangebot, das Seinesgleichen sucht.

Möglich gemacht hatte diese Premiere oberhalb des südlichsten Ortes im Odenwaldkreis eine Kulturförderung des Bundes, erläuterte Andrea Edel zu Beginn. Sie vergaß auch nicht, den vielen Beteiligten zu danken, die das Festival innerhalb von zwei Monaten „auf der Schwanne“ aus dem Boden stampften: federführend der Verein Art Support, der Sportverein und die Freiwillige Feuerwehr. „Endlich wieder ein Festival“, freute sich Ute Naas von der Kreisverwaltung.

„Wir haben mit Monstern, Trollen und Beamten gekämpft“, schmunzelte Heiko Plank über die Veranstaltungs-Entstehung. Er ist „einfach nur glücklich, hier zu sein“, sagte der unweit des Geländes wohnende Gitarrist über das südlichste Musikfestival Hessens. Sein Anspruch: zu zeigen, was der Odenwald alles an Künstlern aller Stilrichtungen zu bieten hat. Denn dem Musiker ging es an diesem Tag nicht allein um die schönen Klänge, sondern auch um Futter für Gehirn, Auge und Ohr.

Die Menschen in Oberzent und Umgebung waren sehr dankbar, dass wieder etwas geboten wurde. Sehr Jung und sehr Alt kamen auf dem schönen Gelände hoch über dem Tal zusammen. Die Kinder tollten über die Wiese, die Älteren saßen unter den Sonnenschirmen zusammen und hielten ein Schwätzchen. Wer den jeweils etwa halbstündigen Darbietungen lauschen wollte, fand einen Logenplatz direkt vor der Bühne, wer es gerne etwas gemütlicher hatte, suchte sich weiter hinten eine Bierbank.

Den Auftakt machte die Musikschule Odenwaldkreis mit ihrem Corona-Musical. Aktuelle Texte wurden auf bekannte Melodien umgedichtet. Irische Fröhlichkeit brachten die „Heebie-Jeebies“ auf die Bühne. Die vier Musiker hatten neben Heiko Plank den kürzesten Anfahrtsweg, denn drei von ihnen kommen aus Oberzent.

Wolken trieben über grüne Odenwald-Hügel, als wäre es die Grüne Insel. Sanfte Balladen und fetzige Reels wechselten sich ab, zeigten, wovon die Songs handeln: Liebe oder Krieg, erklärte Gitarrist und Sänger Mike Müller schmunzelnd. Das Quartett hatte die Klassiker des Irish-Folks im Programm und machte dabei kräftig Stimmung. „Whisky in the Jar“ hatte natürlich jeder schon mal gehört - aber anders. Schnell sprang die Stimmung über.

Ralf Gauck ist einer der wenigen Bassisten, „der sich mit vier Saiten allein die Bühne traut“, stellte Plank den Wormser Musiker vor. Der spielte einen sehr lyrischen Bass. Das passte zu den Rezitationen von Astrid Haag, die unterschiedliche, ausgewählte Lyrik von großen Schriftstellern beisteuerte. Dann wurde es am Himmel dunkel, aber umso heller auf der Bühne. Mit dem Rimbacher Adax Dörsam und der Mannheimer Soul- und Bluesröhre Silke Hauck kamen zwei ganz Große der regionalen Musikszene auf die Bühne.

Warum sie die Lorbeeren verdienten, machten die beiden gleich zu Beginn klar. Dörsam entlockte den sechs Saiten filigrane, bluesige, rockige Töne, während Silke Hauck mit ihrer phänomenalen Stimme die Gäste begeisterte. Man merkte, die Chemie stimmte, die Spielfreude ebenso. Nach dem Lockdown, erzählte die Sängerin, hat sie jetzt Projekte am Laufen, „die richtig Bock machen“ – eines eben auch mit Dörsam. Der ist am 13. August mit Timo Gross wieder beim Finkenbach Festival zu Gast.

„Blow my Blues away“ ist wörtlich zu nehmen: Der Wetterblues war vorbei, als danach der Hausherr mit seiner achtsaitigen „plank“, seiner selbstgebauten Gitarre, ganz in sich und seine Musik versunken loslegte. Er erschaffte ein manchmal sphärisches, manchmal jazziges, umfassendes Klangbild mit alten und neuen Songs.

Die Musikliebhaber hatten sich inzwischen direkt vor der Bühne eingefunden, wo auch noch Claus Boesser-Ferrari und Jutta Glaser auftraten. Bemerkenswert, was sie nur mit Stimme und Gitarren zauberten. Das Duo „Ekaruz“ aus Michelstadt, Marius Bracke und Nicolas Heckwolf, heimsten zu später Stunde Zugaberufe ein, bevor der Gammelsbacher Ralf Breitinger mit seiner Jeremy-Show den Höhenrücken feurig zum Abschluss-Glühen brachte.

27.07.21

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